• Cornelia Krsnjavi

Warum "heutzutage" Fotokritiken nicht wirklich hilfreich sind

Als Fotograf/In ist man irgendwie doch abhängig davon wie unsere Arbeit auf andere wirkt. Fotokritiken sind ein guter weg dazu das herauszufinden, richtig? Falsch! Warum und auf was ich meine Aussage genau beziehe, findet ihr hier...


Als ich vor nun fast 10 Jahren anfing meine Passion zum Beruf zu machen stand ich selbst irgendwann schnell an einem Punkt, an dem ich irgendwie festzustecken schien. Ich hatte Visionen, Bilder und Ideen aber irgendwie fehlte dem fertigen Bild das gewisse etwas, das ich mir im Vorfeld vorgestellt hatte. Wie wir alle kreativen Köpfe, versuchen wir die Dinge immer wieder neu zu betrachten, anders anzugehen um den besten Weg zu finden wie wir uns kreativ ausdrücken können. Das gilt auch für die Umsetzung eines Bildes: Ich änderte den Winkel, das Objektiv, das Licht, die Lichtformer und am Ende versuchte ich es sogar mit dem Austausch des zu fotografierenden Subjekts. Nein - nichts half.


Dann hatte ich die glorreiche Idee, meine Bilder kritischen Augen zu präsentieren um zu erfahren was ich denn nun falsch machte. Und von da an fing das Chaos an. Versteht mich nicht falsch, Fotokritik ist eine wunderbare Sache - wenn sie vom richtigen Ort stammt. Ich merkte schnell, dass gerade die hochgelobten Kritikforen NICHT der richtige Ort dazu sind. Nun denn, als Quereinsteiger in die professionelle Fotografie stand mir zu dieser Zeit keine andere Möglichkeit zur Verfügung. Die Bilder wurden virtuell geradezu geschreddert. Was ich denn nun besser machen könnte wusste ich aber immer noch nicht. Ich stand also mit einem angeschlagenen Ego und meinem zerstörtem Selbstvertrauen als Künstler nach einiger Zeit wieder am Anfang. Na, toll - scheinbar war überhaupt nichts richtig, das ich bis dahin gemacht hatte.


Nach langem Selbststudium, tausenden von Stunden an Übungen, Workshops und Literatur habe ich es dann endlich geschafft, die Bilder zu kreieren, die ich die ganze Zeit kreieren wollte.


Leider hat sich der Umgangston und das Verhalten der Menschen betreffend Fotokritiken kaum verbessert, abgesehen davon, dass heutzutage hauptsächlich Aktfotos beurteilt werden. Sex Sales, heisst es doch so schön.


Doch hier einfach mal zum Verständnis und als Erinnerung an alle Kritiker, Schlechtredner und an die Künstler, die ihre Arbeit bewerten lassen wollen:


Fotografie IST Kunst!


Warum auch heute noch - gerade in der Fotografie - die Gemüter sich scheiden, ja sogar bekriegen, verstehe ich immer noch nicht. In keiner anderen kreativen, künstlerischen Sparte gibt es so viel Kritik wie in der Fotografie.


Sogar Wikipedia beschreibt den holprigen Start der "künstlerischen Fotografie" folgendermassen:


"Der Kunstcharakter der Fotografie war lange Zeit umstritten: Charles Baudelaire führte dies bereits in seinem Werk Die Fotografie und das moderne Publikum im Jahre 1859 aus. Baudelaire erkannte auch die Konkurrenz innerhalb der Kunst: Der Porträtmaler stand nun dem Porträtfotografen gegenüber. Baudelaire kritisierte die Bestrebungen, die Natur zu kopieren, ohne ihr Wesen zu kennen, als eine gegenüber der wahren Kunst feindlich eingestellte Lehre. Diese Kritik manifestiert sich bis heute: Die realistische oder auch idealisierte Abbildung wird oft kritisiert. Künstlerische Fotografie bedeutet bis heute, Wahrnehmung, Dialog und Schöpfung. Zugespitzt formuliert der Kunsttheoretiker Karl Pawek in seinem Buch Das optische Zeitalter (1963): „Der Künstler erschafft die Wirklichkeit, der Fotograf sieht sie.“"


Doch jede Art und Weise die es gibt um sich kreativ auszudrücken ist in meinen Augen im Endeffekt, Kunst! Ganz egal wie klein oder gross das Endresultat ist. Da sollte das genutzte Medium, das Trägermaterial oder die im Prozess dazu genutzten Tools keine Rolle spielen. Und deshalb: Kreativität ist, muss und darf keinen fixen Regeln folgen. Denn ansonsten transformieren wir unsere Kreativität in ein vorgefertigtes Konstrukt, das nicht mehr unseren eigenen Visionen folgt, sondern der ausgewaschenen, vorgefertigten Erwartung anderer.


Kurzum wird heute "Fotokritik" viel zu oft wörtlich genommen und Kritik an der Vision des Künstlers geübt oder sogar das fotografierte Thema zu tief negativiert. Dabei sollte Kritik viel mehr auf Optionen hinweisen wie der Künstler seine Vision erreicht.


Deshalb, falls Du Kritik übst oder Kritik benötigst um einen anderen oder neuen Blickwinkel auf Deine Arbeiten zu erhalten, wähle Deine Ansprechpersonen sorgfältig. Und falls doch jemand einmal zu herablassend wird und am Kritikziel vorbeiprescht, behalte dies im Hinterkopf:


DU bist der Künstler!

DU entscheidest wie Du Deine Kreativität nutzt und einsetzt.

Vertraue Deiner Vision!

Denn Kreativität folgt keinen Regeln!



Eure Cornelia




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